Geschichte

Schon im Urkataster von 1827 ist im Gebiet des Olleroh ein Wald eingezeichnet, der Friedhof entstand aber erst später. Heute ist der Olleroh ein Landschaftsschutzgebiet und noch immer gibt es im Bereich des mittlerweile außerdiestgestellten und entwidmeten Friedhofs einige, teilweise sehr eigentümliche Grabmale.

Gründung des Friedhofs

Der alte evangelische Martener Friedhof im Olleroh (oder „Marten-Nord“) am nördlichen Rand des Ortsteils existiert erst seit 1884. Dies ist nicht verwunderlich, weil es bis ins 19. Jahrhundert in Marten keine eigene Kirche gab und die Friedhöfe traditionell immer bei den Kirchen lagen.

Das älteste den Friedhofsbetrieben der Stadt Dortmund vorliegende Bestattungsbuch für den Friedhof Marten-Nord wurde von Pastor Wilhelm Klein geführt und es beginnt am 22.11.1884.

Die Dortmunder Zeitung vom 26.11.1884 berichtete, dass der neue Totenhof in Marten von Pfarrer Klein im Beisein von vielen Gästen, darunter der Ehrenamtmann des Amtes Lütgendortmund Herr Deusemann, feierlich am Nachmittag des 22. November 1884 eingeweiht worden war. Dem Artikel zu folge wurden dort am gleichen Tage im Anschluss an die Einweihung des Friedhofes drei Kinder beerdigt.

Zeitungsbericht zur Einweihung des Friedhofs Marten-Nord
Zeitungsbericht zur Einweihung des Friedhofs Marten-Nord

Warum es ausgerechnet 1884 zur Gründung des Friedhofs kam, ist mir nicht ganz klar.

Natürlich hängt seine Errichtung mit der Gründung der evangelischen Gemeinde Martens und deren schrittweisen Abtrennung von Lütgendortmund zusammen. Die Gemeinde bestand wohl seit 1881. Der dann zuständige Pfarrer hielt Gottesdienste zunächst in der evangelischen Schule, ab 1886 dann in der Schulkapelle ab. Die Auspfarrung von Lütgendortmund erfolgte erst viel später im Jahre 1893.

Ein möglicher Anlass für die Gründung könnte gewesen sein, dass neben dem starken Bevölkerungswachstum – die Einwohnerzahl in Marten war von 345 im Jahre 1818 auf 3.366 im Jahre 1885 gestiegenen – zu dieser Zeit in Marten tödliche Kinderkrankheiten grassierten, neben Scharlach und Röteln hauptsächlich die Masern. Die Eltern der verstorbenen Kinder waren vielleicht nicht länger gewillt, ihre Kinder weit entfernt in Lütgendortmund begraben zu müssen. Auch hinsichtlich der Verbreitung der Krankheiten war es sicherlich sinnvoller, die Verstorbenen in der Nähe bestatten zu können.

Die Dortmunder Zeitung berichtete in diesem Zusammenhang mehrfach über den Ausbruch der Masern, unter anderem in diesem Artikel vom 01.12.1884, in dem auch nochmal der neue Friedhof erwähnt wird:

Zeitungsbericht zur Masern-Epedemie in Marten
Zeitungsbericht zur Masern-Epedemie in Marten

Außerdienststellung

Der alte Martener Friedhof wurde bereits am 04.09.1980 auf Beschluss des Rats der Stadt Dortmund außer Dienst gestellt. Die letzte Bestattung hatte 1979 stattgefunden.

Es heißt, dass der Friedhof einst eingeebnet werden werden sollte, was Proteste der Martener Bevölkerung nach sich zog. Angeblich wurde der Friedhof gerettet, weil ein Privatmann das Grundstück kaufte. Ob das Tatsachen entspricht, kann ich nicht sagen, scheint mir aber eher unwahrscheinlich.

In seiner Sitzung vom 15.02.2007 hat der Rat der Stadt Dortmund auf Bitten der Bezirksvertretung Lütgendortmund die Entwidmung des ehemaligen Friedhofs beschlossen. Nicht entwidmet wurde das ca. 200 m² große Areal der Kriegsgräber, da §2 des Gräbergesetzes ein dauerhaftes Ruherecht für die Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft vorsieht.

Umgestaltung

1996 wurde das das Gebiet zum Landschaftsschutzgebiet Marten-Olleroh erklärt (WDPA-ID 555561111), ursprünglich mit einer Fläche von 46,66 ha. Es umfasst heute nicht nur den Olleroh-Friedhof und den angrenzenden Wald, sondern auch Flächen östlich der A45, insgesamt 58,55 ha, vergleiche hierzu auch den Eintrag auf World Database on Protected Areas.

2008 bis 2010 wurde das Gelände des ehemaligen Friedhofs und des angrenzenden Wäldchens mit Mitteln der Bezirksvertretung Lütgendortmund neu gestaltet, mit dem Ziel, aus dem Wäldchen einen abwechslungsreichen Waldpark zu machen. Wege wurden saniert und einige neue Wege angelegt, um die benachbarten Wohngebiete besser anzubinden. Nicht mehr erhaltenswerte Grabeinfassungen wurden entfernt, einige Gehölze auf den ehemaligen Grabflächen wurden gerodet und so weitere Lichtungen geschaffen.

Auch fast vierzig Jahre nach der Außerdienststellung gibt es heute auf dem ehemaligen Friedhof noch eine Reihe von Gräbern, hauptsächlich von bedeutenden Martener Familien. Auch ein Denkmal für die beim Grubenunglück der Zeche Zollern im Mai 1898 verunglückten Bergleute gibt es hier, sowie noch mehrere Kriegsgrabmale.